27.1. zum Tag des Holocaust Gedenkens
Zwangsarbeit auf den Charlottenburger Bahnhöfen
Beitrag: Joachim Neu
Die Nachweise für jüdische Zwangsarbeit an Bahnhöfen im Raum Charlottenburg sind historisch eng mit dem sogenannten „Geschlossenen Arbeitseinsatz“ verknüpft, der für Berliner Juden ab 1938/39 zur Pflicht wurde.
Anders als die „ausländischen Zwangsarbeiter“, die oft in Lagern lebten, mussten Berliner Juden meist von ihren (zwangsweise zugewiesenen) Wohnungen zu den Arbeitsstätten pendeln, bis die Deportationen begannen.
Hier sind die spezifischen Nachweise und Orte für den Bereich Charlottenburg:
1. Bahnhof Westend (Ringbahn)
Dieser Bahnhof ist einer der am besten dokumentierten Orte für jüdische Zwangsarbeit in Charlottenburg.
- Einsatzbereich: Jüdische Kolonnen wurden hier vor allem in der Güterabfertigung und zur Gleisreinigung eingesetzt.
- Bedingungen: Überlebende berichteten, dass sie dort unter Aufsicht der Reichsbahn schwerste körperliche Arbeit verrichten mussten, oft beschimpft von Passanten auf den Bahnsteigen. Besonders im Winter 1941/42 wurden jüdische Frauen und Männer hier massenhaft zum Schneeräumen auf den Gleisen gezwungen.
2. Bahnhof Charlottenburg
Am Bahnhof Charlottenburg selbst sind Einsätze jüdischer Zwangsarbeiter in sogenannten „Gleisbaukolonnen“ nachweisbar.
- Instandhaltung: Da Juden als „wehrunwürdig“ galten, wurden sie für die gefährlichsten und schmutzigsten Arbeiten an der Bahninfrastruktur herangezogen. Dazu gehörte das Auswechseln von Schwellen und das Schaufeln von Schotter unter extremem Zeitdruck.
- Bahnbetriebswerk: Auch wenn das Bw Charlottenburg (wie zuvor erwähnt) als eigenständige Einheit 1929 schloss, wurden die verbliebenen Werkstätten und Gleisanlagen von der Reichsbahn weiter genutzt. Hier wurden jüdische Hilfskräfte für einfache Wartungsarbeiten an Waggons eingesetzt.
3. Bahnhof Grunewald (Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf)
Dies ist der bedrückendste Ort in der Nähe. Bevor die Massendeportationen von Gleis 17 begannen, gab es dort spezifische Zwangsarbeit:
- Vorbereitung der Deportationen: Jüdische Zwangsarbeiter mussten oft die Züge, mit denen später ihre eigenen Angehörigen (und sie selbst) deportiert wurden, reinigen und für die Abfahrt vorbereiten.
- Gepäckdienst: Es gab Berichte über jüdische Männer, die das schwere Gepäck der zur Deportation befohlenen Menschen unter Bewachung auf die Bahnsteige schleppen mussten.
4. Bahnhof Eichkamp (heute Messe Süd)
An diesem Bahnhof wurden jüdische Frauen in Kolonnen zur Reinigung von S-Bahn-Waggons eingesetzt. Diese Arbeit fand oft nachts oder in den frühen Morgenstunden statt, um den Kontakt zur „arischen“ Bevölkerung zu minimieren, wobei die Frauen rassistischen Schikanen des Reichsbahn-Personals ausgesetzt waren.
Warum sind die Nachweise oft schwierig zu finden?
- Aktenvernichtung: Die Deutsche Reichsbahn vernichtete kurz vor Kriegsende viele Unterlagen über den Einsatz von Zwangsarbeitern.
- Unterscheidung: In den Statistiken der Reichsbahn wurden Juden oft nicht separat geführt, sondern unter Kategorien wie „Hilfskräfte“ oder „Sonderkolonnen“ gelistet.
- Privatwirtschaftliche Tarnung: Oft wurden jüdische Zwangsarbeiter von privaten Baufirmen (z. B. Lenz & Co) gemietet, die im Auftrag der Reichsbahn an den Bahnhöfen Charlottenburg und Westend arbeiteten.
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