Point 1
In Schleswig-Holstein steht sie auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Auch in Hamburg ist sie seit 2010 in der „Roten Liste und Florenliste der Gefäßpflanzen“ auf Seite 19 als „ss“ (sehr selten) und mit dem Risikofaktor „R!“ (Risikofaktoren wirksam) gelistet [Ersatzlink]. Hier bei uns im WestkreuzPark! laufen wir in Augenhöhe – meist unwissend – achtlos an ihr vorbei: Asplenia ruta-muraria.
Wir wurden bei einem gemeinsamen Rundgang durch den WestkreuzPark! mit den Stadtnatur-Rangern auf diese Pflanzen aufmerksam. In Berlin werden die seltenen Pflanzen akribisch gezählt und mit ihren Standorten in der Datenbank Flora-BB erfasst.
Es handelt sich bei diesen seltenen Pflanzen um Asplenium ruta-muraria, auch als Mauer-Streifenfarn, Mauerfarn oder Braunstieliger Streifenfarn (als Klassencharakterart) bekannt.
Bei unseren Führungen zeigen wir Ihnen einen Standort dieser seltenen Pflanzen. Dort konnten sich über die Jahrzehnte hinweg (Stand 11/2022) 65 Einzelexemplare etablieren.
Leider wurden im Zuge einer unsachgemäßen Reinigungsaktion durch die Kleingärtner viele Farne vernichtet – möglicherweise aus Unwissenheit, wir können aber auch Vorsatz nicht ausschließen[1].
Aktuell ist der Erhalt dieser Pflanzen in höchster Gefahr. Im Zuge eines Bauvorhabens für einen zweiten Zugang zum Bahnhof Westkreuz sieht das Planfeststellungsverfahren den den Abriss des Eingangstores und der Mauer vor.
Rechts oben am grünen Eingangstor (Foto rechts) finden Sie die größte und lt. Erzählungen der Kleingärtner wohl auch älteste dieser Farne. [Klick auf das Bild vergrößert in neuem Fenster.]
Dieses Eingangstor soll abgerissen werden [zu schmal und zu niedrig]. Und mit ihm dann natürlich auch diese prächtige Pflanze. Nach meinen Beobachtungen wird dieser markante Farn von vielen Besuchern, zum Beispiel bei unseren Führungen, immer wieder gern fotografiert. Neulich fand ich ihn als Foto auf einem Reiseblog aus Baden-Württemberg.
Wir haben ⇒hier Alternativen vorgeschlagen.

Vielleicht vermuten Sie in den vielen alten Gemäuern (ehem. Arbeiteraufenthaltsgebäude, Lagerhaus, Lichtwärterhäuschen) des »Steintals«, der Schornsteinruine oder der Böschungsbefestigung (Stützmauer des alten Rundlokschuppens) weitere Standorte dieser seltenen Farne. Das ist durchaus berechtigt, denn jene Überreste der bis 1882 als „Charlottenburger Lokomotivstation“ errichteten Anlage liegen seit 80 Jahren brach und sind nahezu vom Menschen unberührt allein der Natur überlassen. Wir selbst haben dort jedoch noch keinen weiteren Fund registrieren können, wenngleich Temperatur, Feuchtigkeit, Lichtverhältnisse und die in diesem Bereich seit Jahrzehnten von der Zivilisation, dem Reparatur- und Ausbesserungswahn unberührten Standorte sicher ideale (Über-)Lebensbedingungen bieten.
Der Botanische Verein Brandenburg e.V. wertete den Nachlass von Adolf Straus (1904 – 1986), einem renommierten Tertiär-Paläobotaniker, der auch als Florist, Pflanzensoziologe, Mykologe und Naturschützer vielfältig in Berlin und Brandenburg tätig war, aus.
Straus konnte in Berlin 1956 lediglich einen einzigen Fundplatz [Ersatzlink] dieser seltenen Art verzeichnen (Ufermauer an der Spree im Schlossgarten, ebenfalls in Charlottenburg). Zitat: „Weitere Fundplätze sind aus Berlin nicht bekannt.“
Wie der Name Mauer-Streifenfarn schon vermuten lässt, wächst er häufig in den Ritzen und verwitternden Fugen alter Mauern, die fast immer kalkhaltigen Mörtel enthalten.
[Quelle: Plinius der Ältere, Naturalis historia 27,17,34 (hier nach:
C. Plinii Secundi Naturalis historia. Hrsg. von D. Detlefsen, I–VI (in 3 Bänden), Berlin 1866–1882, hier: Band 4, S. 145): „Asplenon […] nascitur in petris parietibusque opacis, umidis, laudatissime in Creta“.].
Es handelt sich um kleine immergrüne Farne mit 3 bis 15 cm, manchmal 20 cm langen, schmalen und dunkelgrünen Stielen|Blättern.
Der eigentlich kriechende, an aufrechten Wänden auch mit hängenden Stielen und Blättern auftretende Wuchs dient dazu, sich in Mauern und Felswänden zu verankern.
Abbildung von Carl Axel Magnus Lindman (CC0)
Mehr auch bei Wikipedia.


Farne gehören ja quasi zu den „Dinosauriern“ unter den Pflanzen, die es schon seit etwa 300 Mio. Jahren auf der Erde gibt.
Früher nahezu so groß wie Bäume haben sich aber die Winzlinge heute vom Wesen her kaum verändert. Die extreme Anpassungsfähigkeit dieser Pflanzen sicherte ihnen ein so langes Überleben auch bei stark wechselnden Klima-, Standort- und Lebensbedingungen. So entwickelten sich auch einzelne Exemplare, die mit nur ganz wenig Erde auskommen, die in einer kleinen Mauerritze steckt – so, wie unser Mauer-Streifenfarn, den einige deshalb auch Steinfarn nennen.
Ein weiterer „Überlebenstrick“ ist, dass Farne keine Blüten entwickeln. Die Befruchtung erfolgt durch einen Wassertropfen auf der Unterseite des Prothalliums (in obiger Abbildung mit „ 2 “ gekennzeichnet), wobei dann die Spermatozoiden von den Eizellen chemisch angelockt werden. So bedarf es keiner Bestäuber für das Überleben, die es z.B. in Form von Bienen ja auch erst seit etwa 110 Mio. Jahren gibt.
- In Berlin und Brandenburg sind diese Pflanzen ziemlich selten und werden deshalb akribisch erfasst.
- In Hamburg wurde ein entsprechender Bestand samt Mauer umgesetzt, weil er am alten Standort nicht gehalten werden konnte.
- In Flensburg [Ersatzlink] erschwerte ein beachtlicher Asplenium ruta-muraria-Bestand die Renovierung eines maroden Bahnhofzugangs, ehe auch hier der Bestand versetzt werden konnte.
- Der Landschaftsrahmenplan des Landkreises Rotenburg nennt für das Kreisgebiet einen einzigen Bestand. (Quelle: Rothenburger Rundschau vom 31.01.2021)
Die Raupen der Schmetterlingsart Hellgebänderter Steinspanner (Gnophos pullata) sind von der Mauerraute als Nahrungsquelle abhängig. Wenngleich die Raupen polyphag leben und sich an verschiedenen Pflanzen entwickeln könnten, wird bei uns regional dieser Mauerfarn bevorzugt.

Aber bitte berühren Sie diese Pflanzen nicht!
Kommen Sie auch gar nicht erst auf die Idee, ganze Pflanzen oder Teile davon zu entfernen, auch dann nicht, wenn ich Ihnen jetzt sage, dass sie als Heilpflanze gegen Haut- und Milzleiden, Gelbsucht, Husten, Gallenprobleme, Harnwegsteine und mehr eingesetzt wird. Die Pharmaindustrie bietet dafür natur- und diese seltenen Pflanzen schützendere, insofern billigere und wohl auch effektivere Möglichkeiten an.
Auch lassen sich die Pflanzen nicht einfach „umsiedeln“, wie die obigen Beispiele aus Hamburg und Flensburg zeigen.
Also:
„Finger weg!“ davon.
Um zum Point 2 zu gelangen, gehen Sie bitte auf der linken Seite durch den Tunnel, dann die Treppe nach oben.
Sie finden ganz vorn an der Wand zum Eingang des Tunnels links einen Lichtschalter, falls es Ihnen im Tunnel zu dunkel sein sollte. Auf dem Rückweg finden Sie einen Lichtschalter direkt am Tunneleingang rechts.
Den Point 2 finden Sie direkt beim Verlassen des Tunnels links über der dort befindlichen Sitzbank.
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Anmerkung 1:
Das Vorhandensein der Farne könnte zu Problemen führen. Dieser Teil der Mauer nach dem Eingang, also hinter dem grünen Eingangstor, soll im Zuge der Schaffung eines kombinierten Fuß-/Radweges zur Zuwegung zum S-Bahnhof Westkreuz bzw. Durchwegung weiter nach Halensee abgerissen werden und dem neu zu schaffenden Weg weichen. Dabei könnte die Existenz der Farne den Abriss verhindern oder zumindest verzögern. Zum Schutz der seltenen Pflanzen ist die Erhaltung dieses Mauerstückes – wie u.a. die Beispiele aus Hamburg und Flensburg zeigen – dringend geboten. DAS ist aus unserer Sicht auch kein Problem. Es erscheint ausreichend zu sein, lediglich die ersten fünf bis acht Meter der Mauer zu erhalten. Dabei ist es unproblematisch, den von Fugmann Janotta Partner im „Nutzungs- und Erschließungskonzept für das Westkreuz (2016 – 2018)“ (Doppelseite 34 links und rechts) [Ersatzlink] geplanten Fuß-/Radweg um diese paar Meter nach rechts von der Rönnestraße auf den weiter geplanten Verlauf des Weges am neuen Ende der Mauer zu leiten. Der dahinter liegende Teil der eigentlich auch historischen Mauer könnte abgerissen werden. Will man die gesamte Mauer erhalten, müsste man den geplanten Weg für ein paar Meter über ein benachbartes Grundstück leiten. Bei der geplanten Breite des Weges (lt. Vorgabe) lässt sich das aber auch schon jetzt über eine deutlich längere Strecke nicht vermeiden.
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