Seltene Farne in höchster Gefahr
Jetzt wird sich zeigen, wie ernst es Berlin tatsächlich mit dem Schutz seltener Arten – mit dem Naturschutz – meint. Bezirksamt und verschiedene Naturschutzbunde sind informiert.
Gastbeitrag: Detlef Petereit
In diesem Beitrag geht es nicht um die Farne selbst, die in Berlin seit 2018 in der Roten Liste der Pflanzen in der Kategorie 3 => „gefährdet“ stehen und als „mäßig häufig, mit starkem Rückgang“ gelten, sondern um deren Erhalt im Zuge der aktuellen Vorhaben und anstehenden Bauarbeiten.
Bitte informieren Sie sich über die Farne selbst in diesen Beitrag.
Vom 21.08. bis 22,9,2025 führte das Eisenbahn-Bundesamt die öffentliche Auslegung und das Anhörungsverfahren zum Planfeststellungsverfahren für das Bauvorhaben „Neubau 2. Zugang (PÜ) inkl. nördliche Zuwegung am S-Bf. Berlin-Westkreuz“ im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf und Steglitz-Zehlendorf von Berlin (Geschäftszeichen: 511ppi/096-2301#005) durch. [mehr dazu hier auf unserer Webseite…]
Hinweis: Einwendungen und Stellungnahmen können noch
bis einschließlich 06.10.2025 (Posteingang) abgegeben werden.
Den Planungsunterlagen zum Planfeststellungsverfahren (196,2 MB) [Ersatzlink] ist auf Blatt 07-07 zu entnehmen, dass bei derzeitiger Planung die über 150 Jahre alte Mauer rechts vom grünen Eingangstor in der Rönnestraße sowie einige Meter links davon abgerissen wird.
Die Teile der Mauer sollten unbedingt erhalten bleiben.
Sowohl 20 Meter links (östlich) als auch die nur elf Meter lange Mauer rechts (westlich) des Einganges.
Der Erhalt dieses Mauerabschnittes und des Durchganges hat neben dem Schutz der seltenen Farne auch historische, denkmalschützerische Aspekte. Auf der rechten (westlichen) Seite endete die Mauer schon beim Bau vor über 150 Jahren nach diesen elf Metern. In Verbindung mit einer nur wenige Meter kurzen Quermauer zur Böschung der Gleise, die zwischen 1913 und 1920 abgerissen wurde, begrenzte diese Mauer den Zugang von der Rönnestraße zum Fußgängertunnel, den alle Eisenbahner beim Zugang von der nördlichen Seite zur „Charlottenburger Lokomotivstation“ nutzen mussten. Mit der Errichtung erster Kleingärten durch die damaligen „Eisenbahn-Kleinwirte“ (heute: Bahn-Landwirtschaft) wurde diese Quermauer entfernt und der Weg vom Eingangstor für den Zugang zu den nördlich der S-Bahn angelegten Kleingärten genutzt.

Hinweise: Der obige Ausschnitt, wie auch die Karte selbst, sind eingenordet.
D.h. „links“ vom Eingang ist in der Abbildung „rechts“, Osten; „rechts“ vom Eingang ist in Abbildung „links“, Westen.
• dünne gelbe Linie ⇒ Rückbau,
• rot ⇒ Neubau,
• schwarz gestrichelte Linie ⇒ Planfeststellungsgrenze,
• grüne Linie ⇒ äußere Grenze der vorhabenträgereigenen Grundstücke.
An dieser alten Mauer haben sich über die Jahrzehnte hinweg seltene Farne, Asplenium ruta-muraria, auch als Mauer-Streifenfarn, Mauerfarn oder Braunstieliger Streifenfarn (als Klassencharakterart) bekannt, angesiedelt. Wir haben diesen Bestand erstmals im November 2022 akribisch gezählt und mit ihren Standorten in der Datenbank Flora-BB erfasst. Auch im Sommer 2025 fand bereits eine Zählung statt; der Eintrag in die Datenbank steht noch aus.
Der Bestand wurde zu unserem großen Entsetzen und Bedauern im Herbst 2024 angeblich im Rahmen einer Reinigungsaktion, beauftragt durch die Bahn-Landwirtschaft e. V., empfindlich um 20 teils große Farne, reduziert. Böse Zungen behaupten, dass dies vielleicht doch nicht so ganz unbeabsichtigt geschah, was jetzt sogar Sinn ergibt. Dabei wäre dann jedoch übersehen worden, dass sich auch auf der Außenseite der Mauer Pflanzen angesiedelt haben.
Die Teile der Mauer sollten unbedingt erhalten bleiben.
Sowohl 20 Meter links (östlich) als auch die nur elf Meter lange Mauer rechts (westlich) des Einganges.
Der Erhalt der Mauer rechts vom Eingang (in obiger Abbildung links) und somit auch der darauf angesiedelten 22 Farne ist unproblematisch möglich.
Eine Möglichkeit wäre, den zu errichtenden Weg außen rechts an der Mauer vorbeizuführen. Die Mauer endet nach elf Metern. Dort kann der Weg auf die geplante Trasse einschwenken. Notfalls könnte die Mauer um vier Meter gekürzt werden, da sich am Ende keine Farne befinden. Aus historischen Gründen1 wäre natürlich der Erhalt des gesamten Mauerteiles sehr zu begrüßen.
Dieser Bereich befindet sich – wie auch schon jetzt ein großer Teil des geplanten Eingangsbereiches – außerhalb der „äußeren Grenze der vorhabenträgereigenen Grundstücke“ – grüne Linie im Plan. Es müssen also ohnehin Lösungen gefunden werden.
Als zweite Möglichkeit wäre vielleicht daran zu denken, den zu errichtenden Weg nach Toreingang links von der Mauer entlangzuführen. Dazu müsste aber das Eingangstor in seiner jetzigen Form (Höhe / Breite) vergrößert werden. Gerade dort (z. B. rechts am grünen Torrahmen) befinden sich aber einige große und schon sehr alte Farne, die auch von Besuchern immer wieder fotografiert werden.
[Klick auf das Bild führt zur Vergrößerung in neuem Fenster.]

Ein früheres Einschwenken in die geplante Wegführung wäre möglich. Etwa 20 Meter links neben dem heutigen grünen Eingangstor (in obiger Abbildung „rechts“) endet derzeit (2025) die Ansiedlung der Farne (in den darauf folgenden 12 Metern sind lediglich noch fünf Pflanzen zu finden). Dieser Teil der Mauer links vom derzeit grünen Eingangstor sollte unabhängig von den Bauarbeiten auf jeden Fall auch erhalten bleiben. Davor könnte man die vorhandene Mauer öffnen und schon dort einfahren. Dieser Bereich lieg dann auch innerhalb der „äußeren Grenze der vorhabenträgereigenen Grundstücke“ und auch noch innerhalb der Planfeststellungsgrenze (schwarz gestrichelte Linie). Es muss lediglich geprüft werden, ob die Böschung in entsprechender Breite abgetragen werden kann, da etwa in diesem Bereich die stadtAUSwärts führende Südkurve in kleinem Bogen in eine S-Bahnunterführung (Tunnel) einfuhr. Dieser Tunnel wurde beim Neubau der S-Bahntrasse 2004/2006 zugeschüttet.

In Flensburg erschwerte ein beachtlicher Asplenium ruta-muraria-Bestand die Renovierung eines maroden Bahnhofzugangs, ehe auch hier der Bestand versetzt werden konnte.
In Hamburg wurde ein entsprechender Bestand samt Mauer umgesetzt, weil er am alten Standort nicht gehalten werden konnte.
Sollen wir hier in Berlin so einfach darüber hinwegsehen?
Bitte helfen Sie uns!
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